Wer kennt diese Stimme nicht!
Beginnen wir diesmal sportlich mit den
19. Olympischen Spielen in Mexiko und schon klingt bei vielen die Hymne
"Mexico" von den Les Humphries Singers in den Ohren. Bei "Free me" (1977) von
Uriah Heep kommen sicher viele Discoerinnerungen, die Jüngeren kamen 1995
noch einmal in den Genuß von "Free me" allerdings in der Fassung von
Lucifer's Friend. Diese Songs haben die gleiche Stimme: John Lawton.
Aber von vorn: Um 1970 war Deutschlands Musikszene
sehr innovativ und wurde auch in England und Amerika anerkannt. Amon
Düül, Can, Frumpy oder Embryo und Lucifer's Friend seien
stellvertretend genannt. Viele englische Musiker sahen ihre Zukunft in
Deutschland, schließlich begannen die Beatles ihre Karriere auch in hier.
Erstaunlich, wie viele englische Sänger zu der Zeit in Deutschland lebten:
Ian Cussick, Richard T. Bear, Paul Millns, Mike Starr, James Hopkins-Harrison
von Lake, Paul Botter von Elephant...
1969 bleibt John Lawton nach einem Konzert in Hamburg,
lernt Peter Hesslein kennen und das erste Lucifer's-Friend-Album wird besungen.
Die Band- und Backingaufnahmen waren bereits fertig, man hatte nur nicht den
geeigneten Sänger gefunden. Bis 1976 erscheinen mit Lawton 6 Alben, die
auch international Anerkennung finden und zu den Sternstunden deutscher
Rockmusik gehören. Ein Grund für die hohen
Qualitätsansprüche ist sicher, daß die Musiker Lucifer's Friend
als ihr Hobby sehen. Ihre Brötchen verdienen sie unterdessen bei James
Last, als Studiomusiker bei Marius Müller-Westernhagen und eben bei den
Les Humphries Singers.
 Uriah
Heep von September 1976 bis Oktober 1979 in folgender Besetzung: Mick Box,
Trevor Bolder, Lee Kerslake, John Lawton, Ken Hensley |
1976 spricht der Dämon "Uriah Heep" aus
Charles Dickens' "David Copperfield" zu John und bietet ihm die Nachfolge
für Sänger David Byron bei eben dieser Band an. Lawton nimmt die
Herausforderung an und leitet damit die erfolgreichste Phase von Uriah Heep
ein. Nach "Lady in black" gibt es endlich wieder ein No. 1 Hit mit "Free me".
Drei Alben ist es gut gegangen, dann will Ken Hensley nur noch Stücke mit
Pop-Charakter aufnehmen. Lawtons Kompositionen finden keine
Berücksichtigung und der Dämon verliert seine Wirkung. |
1980 nimmt Lawton sein Solo-Album "Hardbeat" mit fast
der kompletten Lucifer's Friend-Mannschaft auf und gründet
anschließend Gun Hill, die heute noch existieren und von deren
musikalischer Qualität zwei Alben zeugen. 1995 kommt es zu einer Reunion
von Lucifer's Friend (CD: "Sumo Grip" mit "Free me").
Zwischenzeitlich hatten Original-Heep-Keyborder Ken
Hensley und John Lawton wieder gemeinsame musikalische Pläne. Hensley
schien sich also seiner damaligen Äußerung zu erinnern, als er John
Lawton ausdrucksstarke Stimmgewalt, Song- Schreiber-Qualitäten und die
Begabung, charismatisch mit Live-Auditorium zu kommunizieren, bescheinigte.
Letzteres sogar akzentfrei auf deutsch.
Dr. Uwe Steuer
Kontakt:
http://www.johnlawtonband.com |