Erfolgreich experimentiert
Auch wenn zu DDR-Zeiten Ost-Rock mehr oder weniger
verpönt war, hatte Dirk Zöllner einen Namen in Insider-Kreisen. Seine
Band Chicoree ist heute noch genauso bekannt wie ihr Hit "Käfer auf'm
Blatt", der immer noch zum Programm von Zöllner gehört.
Nach Auflösung von Chicoree findet Dirk Zöllner 1987 im
Keyboarder Andre Gensicke den idealen musikalischen Partner zur Gründung
des neuen Projekts Die Zöllner. Anläßlich eines Auftrittes im
Vorprogramm vom "Godfather of Soul" James Brown wird das Duo 1988 zur
einer Band aufgestockt. Durch die Synthese aus schwarzer Musik mit deutschen
Texten entsteht ein unverwechselbarer, eigener Bandsound.
Die kommenden Jahre sind gekennzeichnet durch Plattenproduktionen
und Tourneen. Es erscheinen die Alben "Die Zöllner 1", "Cafe
Größenwahn" und "Goldene Zeiten", bei Edo Zanki produziert. Ein
Konzerterlebnis besonderer Art stellte das Projekt "Zöllner Light"
dar, indem unplugged auf kleinen Bühnen auf Stimme, Text und Seele gesetzt
wurde.
Die Band Die Zöllner und auch die Seiten-Projekte von Dirk
Zöllner haben die politische Wende im Osten schadlos überstanden - in
den alten Bundesländern hat man sich einen guten Ruf erspielt. Musiker des
Ensembles helfen außerdem bei so renomierten Bands wie Silly oder Die
Ärzte aus.
Musikalisch werden immer wieder neue Wege beschritten, so
daß 1998 sogar ein Ausflug in den DrumnBass-Bereich mit der
kurzlebigen Band Zona Luna erfolgte, von der aber Titel wie "Glücklich",
"Reise" und "Wasweisich" in neue Projekte übernommen werden.
Anfang 1999 lernt Dirk Zöllner das klassische
ukrainisch-russische "Trio Bravo" kennen. Um ständig etwas Neues
auszuprobieren, sind die Vier wenig später gemeinsam auf Tour.
Das Projekt wird um einen Schlagzeuger erweitert. Bei der
Classic-Rock-Variante dominieren zwei für einander geschaffenen Elemente.
Die eindringlichen Songs aus der Zöllner-Feder und die mal zarte, mal
wilde Begleitung, die ihr Feuer aus russischen Weisen, Zigeunerromanzen und
Klezmer-Tradition bezieht. Die Songs werden mit dem klassischen
Trio-Instrumentarium Geige, Baß und Klavier zusammengefügt
und es paßt.
Dirk Zöllner findet in dieser klassischen Begleitung zur
vollen Tiefe seiner Ausdrucksmöglichkeiten, und es kommt gut, wenn der
Baß das typische Klavier bei "Käfer auf'm Blatt" ergänzt und
wenn "Immer einer" bitter wie nie klingt, da der Schmerz des Sängers vom
zarten Ton der Geige aufgefangen wird.
Dr. Uwe Steuer
Kontakt:
http://www.dirk-zoellner.de |