So wünscht es sich jeder Veranstalter. Die Bühne steht termingerecht, die
Technik und die Bands sind pünktlich. Es herrscht tolle Stimmung unter allen Mitwirkenden und
jeder hilft jeden. Es ist schon fast unheimlich, denn um 18.00 Uhr sind alle Sound-Checks perfekt
abgeschlossen. Wer abergläubisch ist, muss denken, da kommt noch etwas Unvorhersehbares. Nein
- die Stimmung und gute Laune sollte bis 04.00 Uhr anhalten.
Die erste Band hat es immer am schwersten. Die Besucher kommen ganz allmählich,
so dass der Burginnenhof sehr übersichtlich "bemenscht" ist. Die Stimmung muß erst
angeheizt werden, was die Tipsy Tones aus
Pritzwalk mit den ersten Takten ihres Sets hervorragend meistern. Der Schlagzeuger Nico ganz allein
auf der Bühne
"läutet" den Anfang des ersten Live-Acts ein. Dann gesellen sich der Keyboarder
Dian, Gitarrist Carlo und der Basser Alex zu ihm auf die Bühne, um ein Instrumental
anzustimmen, dass mit dem Thema von "Mission Impossible" endet. Das hat schon einmal gesessen und
die ersten Berührungsängste sind verflogen, so dass Sängerin Nicki ganz unbeschwert
(mit einen wohl 5 l Tetra-Pack Apfelsaft) ans Mikro gehen kann. Nun spielen sich die sympathischen
Fünf durch ihr 50minütiges Programm. Im Vorfeld wurde nicht zu viel versprochen: es rockt
- es soult - es swingt - es funkt. Man will es kaum glauben, dass hier nur eigene Stücke, mal
in deutsch und mal in englisch, gespielt wurden. Die Musiker von Nine-T-Nine meinten beeindruckt,
dass das hier besser sei, als alle Juli(s) und Silbermond(s) dieser Welt. So ist es nur
verständlich, dass die Band nicht ohne Zugabe von der Bühne kommt. Hier gibt es nun doch
einen Cover-Song.
Schmunzelnd kündigt Nicki "Beat It" von Michael Jackson an - eine tolle Fassung.
Es wäre schön, wenn die Musiker-Kollegen der anderen Bands recht behalten, als sie sagen,
dass man von den Tipsy Tones noch viel hören wird. Jedenfalls ist dies ein gelungene Anfang
für die 13. Rocknacht.
Alle Musiker und Techniker sind wieder mal sehr kooperativ. So stimmen nach einer sehr
kurzen Umbaupause - inzwischen so etwas wie das Markenzeiche unserer Rocknacht -
Nine-T-Nine aus Hamburg Whitesnakes "Here I Go
Again" an.

Die Besucher wissen sofort, was sie in den nächsten 80 Minuten erwartet:
Mainstream-Rock im besten Sinne des Wortes. Ihre Eigenkompsitionen sind so voller Herz und
Eindringlichkeit, dass man der Meinung ist, man kenne alle ihre Stücke.
Da gibt es
kein Stillstehen. Für alle Fans sind die Twin-Guitars von Oliver und Stefan ein
Hörgenuss. Background-Sängerin Corina dient nicht etwa nur als optische Aufbesserung des
Bühnenbildes - sie ist das "i-Tüpfelchen" des musikalischen Sounds.
Hier
hört und sieht man eine gut einspielte Band. Die beiden Neuzugänge Lorenz an den Drums
und Helge am Bass bauen einen hervorragenen Rhythmus-Wall und Jürgen legt mit seinem
Keyboard-Turm den noch fehlenden Klang-Teppich. Sharky singt, als ginge es um sein Leben. Es haben
alle sichtlich Spaß und es macht vor allem Spaß. "Summer Of '69" von Bryan Adams
scheint ein Dauer-Abo bei Live-Gigs zu haben und so fehlt auch er an diesem Abend nicht. Ansonsten
gibt es nicht die üblichen Cover-Hits: mit Toto's "Chils Anthem" wird etwas Besonderes
geboten. Auch ihre eigenen Stücke, allesamt mit Hitpotential, brauchen sich nicht zu
verstecken. Eine Zugabe ist nach diesem hervorrangenden Set natürlich obligat.
Vielleicht war es eine Eingebung, vielleicht aber nur Glück, dass vor einiger
Zeit der Film "Walk The Line" (Johnny-Cash-Story) so erfolgreich im Kino lief und somit der Name
Johnny Cash sehr präsent war. Aber was auf dieser Rocknacht zählt, ist die Präsenz
der Musiker und ihre authentische Spielweise der Cash-Songs, ohne diese 1 zu 1 zu "kupfern". Statt
dessen erhalten sie eine eigene Note mit hohem Erkennungswert.
Es ist
unumstritten und schmälert auch nicht die Leistung der anderen Musiker der Band: Der
Neuseeländer Peter Caulton ist Ring Of
Fire. Würde man ihn nicht sehen, gäbe man ein Ohr bei einer Wette, dass Johnny Cash
am Mikro steht. Es stimmt, Peter lebt Cash in jeder Sekunde seiner Performance. Vielleicht ist es
für einige Gäste neu, dass Cash nicht nur der Country-Man war.
An diesem Abend
erhalten die Besucher wirklich einen kompletten Querschnitt aus dem Schaffen des "Man In Black".
Micky Wolf an der Gitarre rockt den Rockabilly, um dann der Steel-Guitar die entsprechenden
Töne zu Peters immer emotionalem Gesang zu entlocken. Genauso beherrscht er die leisen
Töne der Akustik-Gitarre. Es ist professionell und dennoch mit dem Herzen gespielt. Wenn der
große Akustik-Bass auch der Tod des Transportmittels ist, so ist er klanglich kaum zu
übertreffen. Bassist Claus Martens lässt keine Chance aus, dies zu beweisen und es
gelingt ihm außerordetlich. Auch akrobatisch überzeugt er und zwar in den verschiedenen
Bass-Spiel-Disziplinen: stehend, liegend, drauf liegend, nicht berührend. Schlagzeuger Jan
Polter kann an diesem Abend nicht dabei sein, wurde aber würdig vertreten. Eine Titelliste
aufzuführen, erübrigt sich eigentlich. Aber für die Hardliner unter Euch: "Without
Love", "Hurt", "Personel Jesus", "Steel Guitar Rag", "Wanted Man", "Cocaine Blues" ... ... ...
"Ring Of Fire".
Die Wittenberger Band Musikfabrik
will es an diesem Abend wissen. Mit großem technischen Aufwand, über den sich so manche
Großen freuen würden, beginnen sie kurz nach 23.00 Uhr mit ihrer "Pink-Floyd-Show".
Über der Bühne ist eine runde Leinwand befestigt.

Der Beamer und die Video-Kamera stehen auf "On". Der Laser ist gerichtet.
(Übrigens: Die andereren Bands durften die notwendigen Gerätschaften zur
Leinwandübertragung ebenfalls nutzen - Danke.) Wieviel Mut muß man haben, um sich als
Hobby-Musiker an Pink-Floyd-Klassiker zu wagen? Bei der Musikfabrik ist es kein Mut und auch keine
Selbstüberschätzung. Es ist ganz einfach eine Verbeugung vor ihren musikalischen Helden.
So geben
die drei Gitarristen, Bassist, Keyboarder/Gitarrist, Schlagzeuger, Sänger/Perkussionist und
die drei anmutig gekleideten Background-Ladies (sowie ein wenig technische Schützenhilfe) ihr
Bestes und wirken dabei
niemals
peinlich. Alle sind bis zur letzten Sehne angespannt und vor allem ehrlich, so dass es eine Freude
und eine Party ist, zuzusehen und zuzuhören. Es versucht niemand ein "Pink Floyd" zu sein,
dennoch behalten alle Titel den typischen Floydschen Charakter, strahlen Floydsche Atmosphäre
aus und somit wird diese Show ein Riesenspaß. Das Publikum gibt ihnen recht und honoriert
lautstark die Leistung. Natürlich fehlt das kleine Feuerwerk am Ende dieses Sets nicht - peng
- peng - peng ! Die Musikfabrik hat auch ein feines Gespür dafür, wann man diese
Verehrung beenden sollte, denn weiniger ist manchmal mehr. Nach gut 50 Minuten beenden sie ihren
ersten Teil des Auftrittes. Nach kurzer Umbaupause, die auch den Ladies die Möglichkeit eines
Outfit-Wechsels gibt, lässt es sich die Musikfabrik nicht nehmen, diese Rocknachtparty noch
einmal mit vielen Hits von gestern und heute anzuheizen. Wie gut jede einzelne Lady am Mikrofon
ist, kann sie jetzt mit ihrem Solo-Song oder im Duett beweisen. Es sind die üblichen
Verdächtigen, wie CCR, Westernhagen, Keimzeit ... "Eve Of Destruction" kann eben doch nur der
"McGuire der Prignitz" singen und "Juli" wurde selbstverständlich im August gespielt. Das tut
der Stimmung nach Mitternacht wirklich gut.
Nach dieser großartigen Rocknacht steht wieder fest: Es soll eine Nachfolgerin
geben - die 14.Rocknacht, am 9. August 2008. |