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Ein verflixt gutes 7. Jahr

Datum:
Bands:
Zuschauer:
Wetter:
Besonderheiten:
14. Juli 2001
The Masterminds, Dirk Zöllner & Trio Bravo, John Lawton Band
über 1300
warm, kurze Regenschauer
Stimmung auf dem Siedepunkt

Kann es für die Veranstalter und Helfer in schöneres Lob geben ...? "Für die Fans gehört die Rocknacht auf der Plattenburg zum Jahresablauf wie das Weihnachtsfest." Komplimente gehen unbedingt auch an die Musiker. Von musikalisch höchster Qualität, können die Musikstile unterschiedlicher nicht sein und ergeben wohl darum ein perfektes Ganzes.

The Masterminds sind sich ihrer schweren Aufgabe als Opener bewußt und entfachen das "Soulfeuer" schlechthin. Die Klassiker werden die so "master-mäßig" vorgetragen, daß selbst den Motown-Leuten die Ohren zu Rhabarberblättern mutieren würden. Soul ist Herzenssache, dies verinnerlichen die Masterminds um die drei Lead-Sänger (Varinia, Tom, Jesko) bei ihrer Interpretation von "In the midnight hour", "I feel good", "Sir Duke" oder "Superstitions". Beim Urschrei von Tom Kava im Mittelteil von "With a little help from my friends" unterbricht Dirk Zöllner spontan seine angeregte Unterhaltung hinter der Bühne und ihm entfährt ein erstauntes "Was war denn das?"

In diesem Jahr fällt besonders auf, wie nett alle Musiker miteinander umgehen. Kein Musiker betritt oder verläßt die Bühne, ohne backstage herzlichen Applaus von seinen Kollegen zu empfangen. Eine große Familie, die sich in der warmen Atmosphäre, die die Veranstalter jedes Jahr schaffen, wohlfühlt.

Diese Wärme lassen dann Dirk Zöllner & Trio Bravo auch das Publikum spüren. Sichtlich von der Stimmung und Besucherzahl angetan, begrüßt Zöllner das Auditorium mit Handküßchen und einem symbolischen "Zum Wohl" mit einem Rotweinglas. Nichts kann jetzt noch schiefgehen. Obwohl (oder weil) nicht alle seine Lieder nur fröhlich sind, treffen sie mitten ins Herz. Eigentlich eher auf kleineren Bühnen zu Hause laufen Dirk Zöllner und die fantastische Band Trio Bravo (weitere Lobeshymnen würden Seiten füllen) zur Höchstform auf und spielen ein grandioses aber nicht steriles Set. Beeindruckend sind immer wieder Titel wie "Aus Liebe", der den Abend eröffnete, "Immer einer", "Was du verlangst", "Annabell" und natürlichder "Käfer auf dem Blatt". Als Dankeschön und Anerkennung für die Masterminds spielt er eine soulige Fassung von "Try a little tenderness".

Nicht eine, nicht zwei, ja drei Zugaben werden von dem sensibilisierten Publikum verlangt. Spontan und ehrlich stimmt Dirk Zöllner "Free me" von Uriah Heep ein und kündigt damit seinen Jugendhelden John Lawton an. Mit "Sitting on dock of the bay" schafft er einen nahtlosen Übergang zum nächsten Act. Zöllner hinterläßt einen bleibenden Eindruck auf der Burg. Classic-Rock war bisher einmalig in den Gemäuern.

Daß die Umbaupausen wirklich nur 10 bis 12 Minuten dauern, ist in der Tat ungewöhnlich, denn jeder Musiker spielt auf seiner eigenen "Backline", die unmittelbar vor dem Gig aufgebaut werden muß. Bei dieser Rocknacht sind aber alle Musiker von der Professionalität der anderen überzeugt, daß sie verschiedene "Backlines" (z.B. Drums, Baß- und Gitarrenverstärker ...) gemeinsam nutzen. Somit wird viel Zeit gespart. Diesen Schuh ziehen sich auch die Veranstalter sehr gern an. Sie hatten, die Erfahrungen der Vorjahre im Kopf, im Vorfeld so manches geregelt.

Nach einem instrumentalen Opener der Band, die für dieses einzige Konzert aus London anreiste, kommt Shouter John Lawton auf die Bühne. Nach drei Takten ist klar, einen besseren Einstieg kann es nicht geben - erste Arme fliegen in die Luft und lauthals singen viele "Easy livin'". Lawton ist wirklich wie guter Whisky, je älter desto besser - stimmlich war er wohl nie souveräner. Es ist auch klar, daß John Lawton als Ex-Uriah Heep-Sänger eine "The best of ..." auf der Burg intonieren wird. Es gibt "The wizard", "Free'n' easy" und "The dancer" (übrigens nie von Uriah Heep live gespielt), "Lady in black" mit "Give peace a chance" unplugged eingebaut. Aber auch Stücke seiner aktuellen Solo-CD "Still payin' my dues" brauchen sich nicht hinter den Klassikern zu verstecken und werden euphorisch gefeiert.

Die alte Hammond B3 von Roger Wilson ist altertümlich und "sau-schwer", aber ein Intro entschädigt für alles: "Gypsy". Eine druckvollere Fassung hatten wohl selbst Kenner im Publikum nie gehört. Die Burg kocht. Lawton hingegen ist nicht nur ein famoser Sänger, sondern auch Entertainer, der für Stimmung sorgt. In fast akzentfreiem Deutsch (mit Hamburger Einschlag) unterhält er mit witzigen Animationen die Fans. Auch kann er seine Haß-Liebe zu Ex-Uriah Heep-Chef Ken Hensley nicht verbergen.

Lawton, ganz Profi, spart sich natürlich für die Zugabe ein Leckerli für die Fans auf. Des öfteren verlangen sie lautstark nach "Free me". Von ihm kommt lediglich ein augenzwinkerndes "Nooch nich'". Und dann kam es. Und wie. 12 Minuten lang, im Mittelteil von "Jingo" (Santana) eingebaut. Jedes Bandmitglied wartet mit einer Solo-Performance auf. In jeder Rezension werden fast nur die Frontleute erwähnt, aber schließlich ist jede Band nur so gut wie jeder einzelne Musiker. Und hier gibt es nur eine Wertung: Ge-ni-al!

Mit "Free me" geht die 7. Rocknacht auf der Plattenburg zu Ende. Die Abergläubigen wurden widerlegt: Es war kein verflixtes 7. Jahr - dafür aber ein verflixt gutes Jahr!