Datum: Bands: Zuschauer: Wetter:
Besonderheiten: |
17.
August 2002 COVERDEAL,
Brogues & Company,
Entwine 650 das
Open-Air-Konzert-Wetter schlechthin: lauer trockener
Abend Jahrhunderthochwasser bedrohte die nahe Elbe-Region |
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Eigentlich stand die 8. Rocknacht auf der Plattenburg für die
Plattenburg unter keinem guten Stern: erst die unsägliche
Terminverschiebung, dann die tragische Absage der schwedischen Band MOUTH OF
CLAY. Absage Nummer 2 folgte auf dem Fuße: Wir hatten als Opener einen
Überraschungsgast geplant - der war nun verhindert. Doch schließlich
das Dramatischste - das Hochwasser in der nur 15 Kilometer entfernten
Elbe-Region um Wittenberge. Viele unserer Stammgäste hatten
verständlicherweise andere Sorgen und waren mit der Verteidigung von Haus
und Hof zugange. Apropos Hochwasser: Niemand sollte den Veranstaltern
angesichts der dramatischen Stunden vor Ort mangelndes Mitgefühl oder
unpassendes Handeln vorwerfen, weil sie die 8. Rocknacht NICHT abgeblasen
haben. Die Rocknacht ist kein kommerzielles Event. Sie hat karitativen
Charakter, denn der Erlös wird für die Burg eingesetzt. Und: Der
bevorstehende Abend sollte einige Betroffene Mut und Kraft schöpfen
lassen. Es wurde zu Spenden und Hilfe von seiten der Veranstalter und Musiker
aufgerufen - und es wurde gespendet.
Doch irgendwie wendete sich auf der Plattenburg dann alles zum
Besten: Der neue Termin ist wunderbar gewählt - schöneres
Open-Air-Konzert-Wetter kann man sich nicht vorstellen. Der "Ersatz" für
MOUTH OF CLAY erweist sich als Glücksgriff der begeisterten Veranstalter
(dazu später mehr). Statt des Überraschungsgastes haben wir gleich
zwei Opening Acts auf der Bühne. Und schließlich hat das Hochwasser
weit weniger Schäden verursacht, als die erschreckenden Bilder aus anderen
Elbe-Regionen vermuten ließen.
Nur die geringe Besucherzahl
verhinderte, daß es die Rocknacht aller bisherigen Rocknächte werden
sollte: bestes Wetter, ein Kontrastprogramm der Musikstile und den ganzen Abend
begnadete Musik-Handwerker auf der Bühne. Zudem wurden erstmals
überregional Eintrittskarten über unsere Website verkauft.
Wie zu alten Woodstock-Zeiten eröffnet
Dirk Schäfer, nur mit Gitarre und Mundharmonika bestückt, den Abend.
Mit "All Along A Watchtower" gibt es gleich den richtigen Einsteig. Dirk wurde
einfach ohne Ankündigung von dem eingangs erwähnten verhinderten
Opener geschickt. Genau das gibt es wohl nur auf der Plattenburg: Während
bei anderen Festivals Bands einfach ersatzlos ausfallen, können die unsere
Veranstalter gleich auf zwei Acts zurückgreifen, denn sie hatten in
letzter Minute schon selbst für Ersatz gesorgt. In alter
Liedermacher-Manier spielt sich Dirk durch sein nur 25-minütiges Set, denn
er teilt sich die Auftrittszeit und die Gage mit den folgenden
Musikern.
Nahtlos geht es mit dem akkustischen Set
unseres Rochnachtfreunds Dietrich Hasse und seines Musikerkollegen Wolfgang
"Kalle" Kahl weiter. Sie bringen die Burg wirklich, wie angekündigt, zum
Schweben. Vom Cajun über akustischen Rock
bis zum mexikanischen Walzer - mit inbrünstiger Perfektion
gehen die Beiden zu Werke. Ihr kurzweiliges Programm reicht von John Hiatt's
"Georgia Rae", über Willy de Ville's "Little By Little" und "Oh Marie" von
Sheryll Crow bis Status Quo und Ry Cooder. Ein toller Einstieg.
Nach diesen Überraschungsgästen und
dem obligaten "Anya"-Trailer wartet das Publikum wie angekündigt auf
Rockmusik. Doch Surprise Surprise: Was aus den Boxen kommt, sind keine rockigen
Rhythmen, sondern aus "Enomine" die gesprochene Schöpfungsgeschichte. "Am
Anfang war ... die Schöpfung." Dann Blitz, Rauch und Donner. Passend dazu
wird mit "Burn" aus Mark III von Deep Purple ein Feuerwerk aus 20 Jahren
Rockgeschichte entzündet.
 Dass die Jungs von
Coverdeal ihr Lampenfieber nicht
ganz verbergen können, macht sie sympathisch. Sie sind Musiker und
Menschen und Handwerker - und dafür lieben wir sie. Sehr rührend,
spontan und menschlich verkündet Frontmann Peter Märzke, dass auch Coverdeal an die Betroffenen des
Hochwassers denkt und die Hälfte ihrer Abendgage spenden wird. Dann
arbeitet sich die Band mit den beiden Flitze-Fingern an den Gitarren, der
souveränen Rhythmus-Sektion auf dem Klangteppich des Keyboarders durch ein
Wechselbad der Gefühle. Eddie van Halen hat "Jump" live wohl kaum besser
gespielt. "We Will Rock You"
folgt mit dem genialen Gitarren-Outro. "Gimme All Your
Lovin'" war nicht die alleinige Forderung, sondern sie wird von Coverdeal
erwidert. Mit HIM's "Join Me" gibt es einen Querverweis auf die letzte Band des
Abends: "Entwine". Das weitangereiste Publikum kann jeden Titel der erlesenen
Set-List mitsingen, die schließlich mit "Smoke On The Water" endet. Fast.
Denn die Feuerzeuge werden noch einmal bei "Straight From The Heart"
strapaziert.
Was kann jetzt eigentlich noch kommen? Aber es
kommt - und wie es kommt. Die Hammond blubbert, da betritt die engelsgleiche
Geigerin (gottlob nicht in engelsgleichem Outfit) von
Brogues & Company die
Bühne. Jana Mende spielt ein Intro, dass beinahe die Sterne vom Himmel
fallen.
 Das Thema der Band heißt "Irish Folk meets
Rock" und es rockt ungemein. Die synchronen Gitarrenläufe von Daniel
Khmell und Adam Keeting lassen eher an Wishbone Ash als an herkömmliche
Irish Folk Songs denken. Das Publikum folgt gern der Mitmach-Aufforderung von
Sänger Udo Strötzner. Es ist sicherlich richtig und wichtig, einen
Moment der überirdischen musikalischen Flut der Brogues zu folgen und von
den Gedanken an die reale Wasserflut loszulassen.
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Welche
aufbauende Funktion Musik haben kann, zeigt die Band um Roger Witte eindeutig,
hier und jetzt. Wie zum Beweis besteht ein Besucher darauf: "Das lass' ich mir
nicht entgehen, auch wenn es morgen ab 7 Uhr wieder auf den Deich geht!" |
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| Er wird
reichlich belohnt und kann sich mit allen vom ganz normalen Wahnsinn
überzeugen, denn wildfremde Menschen haken sich unter und tanzen in
Eintracht nach "Johnny Come Lately", "Here We Go", "Whiskey In The Jar" vom
unvergeßlichen |
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Phil
Lynott in ganz eigenem Gewand mit den Zwillingsgitarren und dem
Geigen-I-Tüpfelchen. Nach 70 Minuten ist das gekürzte Set zu Ende.
Ohne Zugabe geht natürlich nichts und es gibt im wahrsten Sinne des Wortes
wieder "Fire". |
Das sollen erst die Anheizer gewesen sein? Auch
die finnische Band
Entwine hat ein Intro, das
ankündigt, in welche Richtung es geht - Gothic Rock. In sauberem Sound
spielt sich Entwine durch ihre letzten zwei CD's "Gone" und "Time of
Despair".
 Nicht nur die jungen Besucher in entsprechendem Gothic-Outfit
finden Gefallen an dem, was aus den (keineswegs dröhnenden) Boxen kommt,
sondern auch das Stammpublikum und Musikliebhaber aller Altersgruppen. Die
coolen Männer und
die schwarze Lady verstehen ihr Handwerk und der oft
kolportierte Vergleich mit HIM ist beileibe nicht an den Haaren herbeigezogen.
Vielleicht ist Entwine ja doch besser! Den Feuerzeugen ist das Benzin nicht
ausgegangen,
einige wurden speziell für die sympathischen
Finnen aufgehoben. "Time of despair" - eine Zeit des Verzweifelns - gibt es
weder für Besucher noch für die Band, denn Mika Tauriainen singt
glasklar, die beiden Gitarren sorgen für den typischen Druck und Riitta
Heikkonen am Keyboard baut eine solide Soundwall auf. Double-bass-drums und
eine knackige Bass-Gitarre runden die gute Vorstellung ab. Selbstredend auch
hier keine Chance für die Band, die Bühne ohne Zugabe zu
verlassen.
Die Veranstalter wussten, dass es schwer sein würde, die
tolle
7. Rocknacht zu toppen, doch an
diesem Abend bekommen sie das schönste Dankeschön: "Die 8. Rocknacht
war die beste." Stehen sie nun da und erleben selbst besagte "Time of Despair"?
Wen kann man für die 9. Rocknacht buchen? Aber denen fällt garantiert
wieder etwas ein! Vielleicht profitieren sie ja von einer Neuerung: Es gibt ein
Gästebuch (ja, so ein richtiges mit Seiten aus Papier), in dem sich seit
dem Ende 8. Rocknacht viel, viel Lob und auch einige nette Anregungen nachlesen
lassen. |