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Der Prignitzer, 16.07.2001

Nacht der Kontraste auf der Burg

Rund 1200 Gäste rockten im Burghof / Abwechslung bei Soul, Classic-Rock und mit John Lawton

Plattenburg • Es war die siebente Auflage, aber warum noch mitzählen. Für die Fans gehört die Rocknacht auf der Plattenburg zum Jahresablauf wie das Weihnachtsfest. Wer Sonnabend dabei war, erlebte ein Wechselbad der Gefühle: Soulfeuer, sanfte Klassik-Rock-Töne, John Lawton live.

Von Hanno Taufenbach

Super. Einfach Klasse. Das ist spitze. Jeder findet ein anderes Wort und doch meinen sie im Burghof alle nur das eine: "Das muss man erleben. Wir freuen uns, hier zu sein", sagen Marina und Klaus Tietze aus Falkenhagen. Sie alle lieben Rockmusik, sie alle genießen die Atmosphäre im Hof der alten Wasserburg und sie alle lauschen den ersten Klängen.

"The Masterminds" stehen auf der Bühne. Nein, sie laufen, und springen. Sie machen eine Show, schüren erst und entfachen dann das Soulfeuer. Drei Frontsänger, unterstützt von Rhythmus- und Bläsersektion. Songs von Wilson Pickett, James Brown, Stevie Wonder animieren zum Mitmachen. "Ihr müsst jetzt alle mit den Füßen wippen", fordern sie. Naja, einige verwechseln Füße und Hüften. Aber egal. Die Soulrythmen schwappen über den Bühnenrand, umspülen die Füße, steigen zu den Knien auf, immer höher, erreichen die Fingerspitzen. Der ganz Burghof scheint zu wippen.

Mit Dirk Zöllner beginnt ein kontrastreiches Mittelstück. Statt E-Gitarre und Keyboard, erklingen Klavier, Geige, Kontrabass. Zöllner am Mikro, das klassische ukralnisch-russische "Trio Bravo" an den Instrumenten, verstärkt durch einen Schlagzeuger, erzeugen Töne, die es bisher auf der Burg nicht gab - Classic-Rock. Die Mischung aus der stets wechselnden mal zarten, mal harten Begleitung, den russischen Weisen und Dirk Zöllners Texten wie der Hit "Käfer auf‘m Blatt" faszinieren das Publikum.

Zugabe muss sein. Nicht eine, nicht zwei, sondern drei. Noch einmal Dirk Zöllner, noch einmal die ausdruckstarke Geige bevor sie die Bühne verlassen, Platz machen für ihn, den Star des Abends - John Lawton. Direkt aus England kam der Ex-Uriah-Heep-Sänger mit seiner Band. Noch einmal Kontrast. Bässe hämmern. Fast scheint es, als ob Lawton die Statik der alten Mauern herausfordern will. Keine Cover-Songs. "Free me", "Lady in Black" mit der Originalstimme, dazu die Lieder "Still payin‘ the dues" oder ,,Sympathy" von seiner aktuellen CD. Fans reißen die Arme hoch, singen mit. Und wem es zu laut wird, der geht.

Das sind einige. Aber drei Bands mit ihren so unterschiedlichen Rock-Facetten können nicht alle Fans gleichermaßen begeistern. Aber gerade diese Vielfalt ist es, auf die die Veranstalter Uwe Steuer und Dietmar Vollert setzen. "Wir sind zufrieden, auch mit der Besucherzahl", sagt Vollert. "Einige mehr wären das Sahnehäubchen gewesen, aber wir wollen den familiären Charakter wahren." Vom Eintrittsgeld bleibe wieder etwas für die weitere Sanierung der Burg übrig.

Mit den Vorbereitungen für die 8. Rocknacht soll bald begonnen werden und die beiden Männer sehen am Horizont schön das Jubiläum - die zehnte Rocknacht, zu der sie den Fans etwas Besonderes versprechen.