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Märkische Allgemeine Zeitung, 19. August 2002

Gage für Hochwasseropfer

Tolle Musik an einem denkwürdigen Sommerabend

BERND ATZENROTH

PLATTENBURG • Dietmar Vollert drückte zu Beginn der 8. Rocknacht auf der Plattenburg das aus, was viele fühlten. Bilder, wie sie täglich aus Sachsen zu sehen sind; könnten sich in der Prignitz wiederholen. Auch Rocknacht-Helfer und potentielle Besucher waren betroffen und hatten anderes zu tun, als auf die Plattenburg zu kommen. So stand Vollerts Solidaritätsbekundung mit Hochwasseropfern am Anfang eines Abends, an dem Wettern, Musik und Stimmung stimmten. Weil das Thema Flutkatastrophe so dominierend ist, erklärte sich die Band "Coverdeal" bereit, die Hälfte ihrer Gage zu spenden. "Das war eine spontane Idee"; erklärte "Coverdeal"-Sänger Peter Märzke. Wenngleich eine, die für ihn in der Luft lag: Märzke hat Bekannte in Lenzen, die ihre Wohnung zurzeit räumen. Die Veranstalter; neben Vollert Uwe und Maria Steuer, riefen ebenfalls zu Spenden auf .

Die Gage von "Coverdeal" war übrigens hart verdient: Denn die Band sorgte mit Rock-Klassikern für einen heißen Einstieg. Los ging es mit "Burn" von "Deep Purple", dereinst von David Coverdale gesungen, dessen Name Inspiration für den Bandnamen war. Dass "Smoke an the Water" das Konzert beschloss, war symbolisch dafür, wieviel Feuer die Amateurband aus Parchim auf die Bühne brachte. "Brogues & Company" legten danach aber noch eine Schippe drauf: Nach einem spannungsgeladenen Einstieg zeigte die Gruppe, was sich mit irisch geprägten musikalischen Wurzeln anstellen lässt. "Wir wollen schon irisch sein, aber nicht nur", erklärt Roger Witte, Bassist der irisch-thüringischen Band. Mittlerweile befindet sie sich irgendwo im musikalischen Niemandsland

zwischen Folk und Rock und hat sich eine ganz eigene und mitreißende Interpretation irischen Liedgutes zugelegt. Für "Entwine" war der Auftritt hinterher kein leichtes Unterfangen. Doch legte die finnische Band vom ersten Ton an eine souveräne und überzeugende Vorstellung an den Tag. Stimmlich und musikalisch war das erste Sahne. Und stilistisch ungewohnt für die Plattenburg: So fühlt sich "Entwine" "Gothic"-Klängen verpflichtet, weshalb das typische Outfit dieser Stilrichtung bei den meist jungen Fans auch zu sehen war! Die Musiker haben ein gutes Gefühl für klare und starke Melodien.

Eines war an diesem ungewöhnlichen Abend aber wie immer: Das Lob aller Bands für das einzigartige Ambiente der Plattenburg. "Ein wunderbarer Platz", meinte etwa die "Entwine"-Keyboarderin Riitta Heikkonen.


Anklang und Zwischentöne

BESUCHER • Weniger Besucher als in den Vorjahren, doch mehr, als angesichts der obwaltenden Umstände zu erwarten waren - so lautete das Fazit der Rocknacht, deren Erlös wie immer der Burgsanierung zukommt. Etwa 700 Fans sind laut Dietmar Vollert gekommen.

ÜBERRASCHUNG • Vor Konzertbeginn tauchte ein Mann mit einer Gitarre auf der Burg auf. Den völlig perplexen Organisatoren erklärte Dirk Schäfer, er sei der Überraschungsgast. Sein Erscheinen war von Jockel initiiert, dem eigentlichem "Überraschungsgast", der aber absagen musste. Die Veranstalter aber hatten mit dem Duo Dietrich Hasse und Kalle Kahl bereits für Ersatz gesorgt. Das Ende vom Lied: Beide erhielten nacheinander ihren Auftritt. Den Zuschauern war es recht: Ein guter Musikbeitrag mehr. Und Schäfer war nicht nur der erste Musiker, der seinen Auftritt hatte, sondern auch der letzte - bis tief in die Nacht spielte und sang er auch nach dem Ende der Rocknacht weiter.