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Märkische Allgemeine Zeitung, 15. August 2005

Unerschrocken ans Werk

Bei der 11. Rocknacht auf der Plattenburg wurde mächtig eingeheizt

MICHAEL BEESKOW

PLATTENBURG • Sein Versprechen hat Miro Nemec eingelöst. Beim ersten Auftritt auf der Plattenburg im Vorjahr hatte er verkündet: "Ich komme wieder." Und tatsächlich heizte der Tatort-Kommissar mit seiner Band Asphyxia. am Samstag den Rocknacht-Fans mächtig ein. Wohl alle waren dankbar für diesen zweiten Auftritt, denn erst an diesem Wochenende wurde wirklich klar, was er und eine Band musikalisch vermögen. Das war ein großer Auftritt, zu dem - um nur zwei Beispiele anzuführen - auch Sängerin Tina Hinz und Saxophonist Klaus Kreuzeder kräftig beitrugen. Es ist müßig zu fragen, ob die Band nun bei Joe Cocker oder eigenen Stücken den stärksten Eindruck hinterließ. Mit einem kroatischen Volkslied übrigens, spielte Miro Nemec zu Beginn auf seine Herkunft an. Er sei aus dem Osten und nicht aus Bayern, rief er dem Publikum zu: Das sei nicht seine Fraktion, die sich derzeit über den Bildungsstand der Ostdeutschen verbreite.

Ein Risiko gingen die Veranstalter sicher mit "Kelvin - die Musikpolizei" ein. Denn der Musikkommissar ist ohne weiteres auch dem Fach Kabarett zuzurechnen. Also eine Richtung, die man bisher nicht mit der Rocknacht in Verbindung brachte. Doch Nils Vollert, der seinen Vater, Rocknacht-Initiator Dietmar Vollert, auf Kelvin aufmerksam, gemacht hatte, bewies den richtigen Spürsinn. Denn die Reaktion des Publikums offenbarte, dass das Experiment gelungen ist. Unerschrocken untersuchte Kelvin im Rahmen seiner Ermittlungen die internationale Musikszene. Virtuos nahm er die musikalische Gestalt von Bob Dylan, Herbert Grönemeyer, Reinhard Mey; Nick Cave, Konstantin Wecker, Tom Waits oder Herrmann van Veen an. Erschütterndes förderte er zutage: Grönemeyers "Du bist" wurde zu: "Du bist das Licht an meiner Schranke. Du bis das Grö an meinem Meyer". Bei diesen harmloseren Beispielen soll es bleiben. Die Umarbeitung von Reinhard Mays "Über den Wolken" nach dem 11. September, dürfte Kelvin sicher vor einem Auftritt in den USA bewahren.

Musikalische Schwerstarbeit leisteten zu Beginn Jailbreak. Ihnen gelang das Kunststück, die Stimmung angesichts widriger Temperaturen, über den Nullpunkt zu hieven. Und echtes Rocknacht-Flair zu schaffen. Wenn nicht der gestrenge Rocknacht-Mitorganisator Uwe Steuer auf die Einhaltung des Zeitplans gedrungen hätte, dann hätten sie sicher noch weit in den Abend hinein gespielt.