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Märkische Allgemeine Zeitung, 06.09.1995

Tolle Atmosphäre bei der 1. Rocknacht

Rund 600 Fans begeistert von Open-Air-Konzert auf der Plattenburg

Plattenburg. Immer wieder wanderten am Sonnabend die Blicke der beiden Organisatoren der "1.Rocknacht auf und für die Plattenburg", Dr. Uwe Steuer und Dietmar Vollert, zum Himmel. Würde das Wetter trotz dräuender Wolken halten?

Es regnete nicht, und damit war die wichtigste äußere Bedingung gegeben. Die Bühne im Burghof war so postiert, daß alle 600 Besucher gut hören und sehen konnten. Es konnte losgehen und es ging gut los.

Zunächst waren von der 22jährigen Braunschweiger Studentin Meike Köster eigene Songs zu hören. Sie zeigte sich nach dem Auftritt begeistert über das Prignitzer Publikum: "Ich bin froh, daß ich so gut angekommen bin." Und sie war stimmlich "gut drauf". Das honorierten die Fans nicht nur mit Beifall, sondern auch mit der Forderung nach einer Zugabe.

In die Herzen der "leicht Angegrauten". spielte sich die Berliner Band "Ageless". Seit drei Jahren sind die Musiker zusammen. Ihren Namen wollen sie im Sinne von "zeitlos" verstehen, so wie die Musik .die sie machen. Die Profis, die alle in den Vierzigern sind, absolvieren im Jahr rund 200 Auftritte, vor allem in Klubs und Bars. Sie sind in der Szene keine Unbekannten. So spielten Bandmitglieder schon bei den DDR-Gruppen "Juckreiz", "Wir" und "Modern Soul". Und diese Erfahrung merkt man ihnen an, wenngleich die Nervosität vor dem Auftritt hinter der Bühne unverkennbar war.

Bei ihrer Musik konnte man in Erinnerungen schwelgen, denn die Band spielte Rock and Roll und Country Rock quer durch die letzten dreißig Jahre. Den Anfang machte ein Block mit Titeln der Travelling Wilburys (das sind u. a. George Harrison, Bob Dylan und Roy Orbison). Der erste Höhepunkt war mit "Proud Mary" (CCR) erreicht. Bei dem Linda Ronstadt-Titel "Its so easy to fall in love" klatschte auch der letzte bisher verhalten Dastehende mit. Die Organisatoren hatten mit dieser Band einen guten Griff getan - endlich einmal Musik für die über 30jährigen. Übrigens wurden auch der Landrat in Blue Jeans sowie die Dezernenten Schimko und Puth im Publikum gesichtet.

Ganz modernen Hardrock boten dann "Angel Heart" mit ihren eigenen Songs. Alle fünf Musiker aus dem Sauerland komponieren und arrangieren selbst. Dreißig eigene Titel hat man bereits, von denen etliche auf, einer großen. CD und zwei kleinen veröffentlicht wurden. Die Platte "Give me five" gab es auf dem Burghof zusammen mit T-Shirts zu kaufen. Im Herbst erscheint "Transplantation", die zweite CD der Band, die ihren Namen nach einem Film mit Mickey Rourke wählte. Die Amateure spielen seit vier Jahren zusammen und sind alle um die 30 Jahre alt. Weil man noch im Beruf steckt, sind LiveAuftritte nicht häufig, in diesem Jahr waren es erst sieben. Gern würde man eine Tournee durch Japan machen, wo die Band in den Charts sensationelle Erfolge feiern konnte. Aber die dafür nötigen mindestens sechs Wochen Zeit kann niemand aufbringen, es sei denn man wagt den "Sprung ins kalte Wasser" - gibt die Jobs auf.

Um die Umbauzeit abzukürzen, stellte "Angel Heart" die Technik auch "Ageless" zur Verfügung - das ist durchaus nicht branchenüblich. Aber so wie der Schlagzeuger von "Ageless", Karsten Lipsius, bei der Musik von "Angel Heart" begeistert meinte "Ich steh drauf!", so hatte vorher der Sänger von "Angel Heart", Peter Waldhelm, zu den Oldies von "Ageless" ein "Super!" geäußert. Ganz nebenbei ergab sich der Kontakt zwischen Meike Köster und "Angel Heart", denn letztere waren von der Sängerin so angetan, daß sie ins Sauerland zu gemeinsamen Aufnahmen eingeladen wurde. Einhellig die Meinung aller Interpreten: Das Ambiente der Burg ist für so eine Rocknacht einzigartig. Solch liebevolle Betreuung war man von woanders nicht gewöhnt. So bedankte man sich beim Publikum mit toller Musik. Das wiederum ging beschwingt nach Hause, nachdem es einen fantastischen Abend miterlebte.

W. H.