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Der Prignitzer, 02.09.1996

Plattenburg-live: Gefühl und Power

2. Rocknacht auf der historischen Wasserburg

Plattenburg · Daß die Wasserburg in Prignitzer Landschaft durchaus kultverdächtige Anziehungskraft für die weit gefächerte Rock-Szene haben kann, das verkündete die 2. Rocknacht am Sonnabend aus den megawatt-starken Boxen.

Allerdings hatte gerade die hochsensible Technik den nachmittäglichen Regenguß nicht unbeschadet überstanden, so daß die Geduld der über tausend Fans im Burghof länger als eine Stunde strapaziert wurde. Wie die Veranstalter später informierten, wäre die Rocknacht fast gänzlich ins Wasser gefallen, wären nicht mit viel Bereitschaft die Sicherheitsfragen noch kurzfristig geklärt worden.

Den Sprung vom historischen Ort zu dessen modern-künstlerischer Inanspruchnahme vollführten dann zwei Horn-Bläserinnen: Anne Brodkorb und Sylvia Kirstein aus Perleberg bliesen mit "Olympia" zur phqngewaltigen Eroberung der Burg.

Da hatte es Meike Köster als erste zunächst schwer, gegen den aufgekommenen Frust und die angeschlagene Technik anzusingen, zumal ihr gedankenschweres - allerdings ausschließlich englisch vorgetragenes - Repertoire nicht eben die Gefühle bloßlegte. Mit der vom Publikum geforderten Zugabe, einem gewaltigen Blues, traf sie dann besser die Erwartung an die Rocknacht und brachte einen akzeptablen Übergang zustande zum populäreren Auftritt von "Fairplay" mit leichter Nachvollziehbarem und vom Ost-West-Duo gekonnt bearbeiteten Country-Angebot.

"Lift" dann, zu DDR-Zeit das Synonym für anspruchsvolle Mitfühl-Balladen, war sich der Erwartung wohl bewußt, mit der ein Großteil des Publikums Erinnerung wiederholen wollte. So waren es denn auch die exzellenten Lift-Musiker, die den romantischen Burghof zum Hort individueller Gefühlswelt machten. Prall gefüllt die Bühne dann von den "Bluesjackets", die Bekanntes professionell boten, den Kult-Film "Blues Brothers" spektakulär in den Burghof zauberten und schließlich jedem selbst überließen, wie lange er sich dem Genug plattenburg-liver Best-Songs hingeben wollte.

Rainer Dyk