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Märkische Allgemeine Zeitung, 06. Juli 1998

Musiker standen nicht im Regen

4. Rocknacht auf der Plattenburg: Erfolgreich dem Wetter getrotzt

Plattenburg. Es war ein Wechselbad der Gefühle: Mal regnete es mehr, mal weniger auf der Plattenburg - den Veranstaltern der 4. Rocknacht schien dieser Umstand zunächst schon die Stimmung zu verhageln. Und das, nachdem ihnen schon Tage zuvor die deutsche Fußball-Nationalelf mit ihrer Qualifikation für das Viertelfinale der Weltmeisterschaft eine kalte Dusche verpaßt hatte! Nur spärlich wateten anfangs die Zuschauer auf das Festivalgelände - ein warmer (Geld-)Regen zum Wohle der Plattenburg war da leider nicht zu erwarten.

Doch spätestens, nachdem die Kicker in Frankreich so richtig baden gegangen waren, erwärmten sich die Herzen, waren die Regen- allenfalls kleine Wermutstropfen in einem ausgesprochen guten musikalischen Mix. Der aufgestellte Fernseher hatte als Ablenkungsinstrument vom Bühnengeschehen ausgedient. Ungetrübt von Verlängerung und Elfmeterschießen richtete sich nunmehr der klare Blick auf die Bühne, wo der Höhepunkt eines schon bis dahin sehr schönen musikalischen Abends bevorstand: Inga Rumpf betrat die Bühne. Bis 1 Uhr nachts steuerte ihr "Rockship" mit Volldampf voraus neue rockmusikalische Ufer an und nahm ihre gut beschirmte Zuhörerschaft zudem mit auf die Reise in die eigene musikalische Vergangenheit.

Und das Wunder dabei: Trotz aller widrigen Umstände waren die Sängerin und ihre Mannen richtig gut drauf, was auch der letzte Fan noch gespürt haben dürfte. Dazu mag beigetragen haben, daß Inga Rumpf sich auf der Plattenburg sichtlich wohl fühlte. Wie alle Musiker war sie begeistert vom Ambiente der Burg und von der tollen und sehr persönlichen Betreuung. Im Gespräch riet sie Organisator Dietmar Vollert, der bisherigen Linie treu zu bleiben. Soll heißen: Eben nicht auf die schnelle Mark zu schielen, sondern ein außergewöhnliches und anspruchsvolles Programm zu bieten.

Die Hamburgerin konnte auch der Region einiges abgewinnen: "Das Unberührte dieser Gegend ist ein großer Schatz, den sich die Menschen bewahren sollten", meinte sie und offenbarte damit auch, daß sie privat durchaus die Ruhe schätzt. Doch auf der Bühne verausgabte sich die Frau mit der unnachahmlichen Röhre, sei es mit aktuellen eigenen Songs oder Coverversionen wie von Stevie Wonders "Superstitious".

Der Mann mit den flinken Fingern, Gitarrist Alex Conti, hatte nicht nur an diesem Konzert einen großen Anteil, sondern hatte auch schon für die "Hamburg Blues Band" in die Saiten gegriffen. Die Gruppe um Sänger Gert Lange überzeugte mit einer schnörkellosen Vorstellung und ließ sich weder vom Wetter noch vom Fußballfieber verdrießen. Ein absoluter Höhepunkt waren die Einlagen des Saxophonisten Dick Heckstall-Smith, der gleichzeitig auf zwei Saxophonen spielte. Der Brite blickt auf 40 Jahre Musikerleben zurück und hat dabei mit John Mayall sowie mit der legendären Formation "Colosseum" gespielt. Heckstall-Smith gefiel es auf der Plattenburg so gut, daß er sogar für seinen Auftritt ein Plattenburg-T-Shirt anzog.

Begeistert war er auch von der Band, die den Abend eröffnet hatte: Die "Jazzy Rabbits" ausw Reetz nutzten ihre Chance und überzeugten mit ihrer Mischung aus gut gespielten Coverversionen und Eigenkompositionen. Vor Beginn ihres Auftritts hatten sie aber ganz schön mit Lampenfieber zu kämpfen - zumal da noch nicht abzusehen war, daß hoch zwischen 500 und 600 Menschen Schlammbad und Naturdusche nicht scheuen würden. Umso glücklicher waren die jungen Musiker nach ihrer Vorstellung. "Das hier war das Größte", meinte Gitarrist Falk Philipp. Und seiner Schwester Inga wurde noch eine besondere Ehre zuteil: Ihre bekannte Namensvetterin ließ es sich nicht nehmen, ihr nach dem Konzert eine der Rosen abzugeben, die ihr zuvor Rocknacht-Organisator Uwe Steuer überreicht hatte.

Der war sich sicher, die bisher beste Rocknacht gesehen zu haben. Und seine Frau Maria meinte zunächst etwas geknickt, später aber voll Stolz: "Diesmal hat wirklich alles gestimmt - bis auf das Wetter." Ihr Dank war den gekommenen Fans gewiß. Denn wer bei solchen Bedingungen ein Open-AirKonzert besucht, muß wirklich Fan sein. Und die Fans ließen Bands und Veranstalter nicht im Regen stehen.

Bernd Atzenroth